Brennende Autos und Angriffe auf Polizei in Berlin und Hamburg

Am Sonntag, den 22.11.2009, strahlte die ARD einen „Tatort“ der besonderen Art aus. Schauspielerin Martina Gedeck im Spielfilm „Der Baader-Meinhof-Komplex“ hämmerte in der Person Ulrike Meinhofs ein Zitat in die Schreibmaschine, das damals in der ‚Konkret‘ veröffentlicht wurde: „Wenn ein Lastauto mit Springer-Zeitungen angesteckt wird, ist das Brandstiftung. Wenn alle Springer-Autos brennen, dann ist das eine politische Aktion.“
Noch in der gleichen Nacht der Filmausstrahlung brannten in den frühen Montagsstunden nahezu zeitgleich in Berlin und Hamburg insgesamt 10 Fahrzeuge der Deutschen Bahn. Laut vorgeblichen Bekennerschreiben sollte die Bahn als Profiteur der Atomtransporte getroffen werden. In den Medien wurde der Vorfall zwar titelseitig gewürdigt, aber kaum politisch und differenzierend diskutiert oder eingeordnet. Die fünf in Berlin verbrannten Fahrzeuge der Deutschen Bahn AG wurden nahtlos den bis dahin 270 verbrannten Autos in Berlin 2009 integriert. Neuer Tag, neues Thema.

Nun also wieder eine offenbar konzertierte Aktion in Berlin und Hamburg, wobei es diesmal Einrichtungen und Fahrzeuge von Polizei, BKA und Zoll getroffen hat. Eine Verbindung zwischen den Akteuren in Hamburg und Berlin scheint nahe zu liegen, der Staatsschutz ermittelt, aber auch diesmal ist die Polizei auffallend vorsichtig, die Taten einzuordnen. Der Berliner Polizeisprecher Thomas Neuendorf brachte im Zusammenhang der zahlreichen Autobrandstiftungen im Gespräch mit N24 (Morgenreport) viele vermutete Trittbrettfahrer ins Spiel, die im Schutz der Modewelle brennender Autos ihre Beziehungsprobleme ausleben würden. „Sie meinen Sozialneid?“, möchte die Nachrichtensprecherin des Senders die Taten noch halbwegs politisiert einordnen, aber Neuendorf wiegelt ab. Beziehungstaten.

Da mag zu einem unbekannten Prozentsatz ganz sicher auch Wahrheit dahinter stecken, vielleicht ist es für Manche auch eine völlig unpolitisch motivierte Sportart, möglichst hochwertige Autos abzuwracken. Aber bei den Fragen nach dem „Warum“ und – im Kontext der genannten Beispiele der Aktionen in Berlin und Hamburg – nach dem „Wie“ müssen doch früher oder später soziale bzw. soziologische Komponenten eine Rolle spielen. In etwa so: „Wie reagiert Mensch, wenn sich laut repräsentativen Umfragen eine deutliche Mehrheit gegen Atomstrom ausspricht und der Staat dies ignoriert?“ Oder: „… wenn sich eine deutliche Mehrheit gegen Hartz IV ausspricht und der Staat dies ignoriert?“ Oder: „… wenn sich eine deutliche Mehrheit gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ausspricht und der Staat dies ignoriert?“ Wie reagieren Menschen, die selbst „der Staat“ sein sollen, aber trotz ihrer Mehrheit von diesem nicht repräsentiert werden?

Der Hamburger Innensenator Christoph Ahlhaus verurteilte die Anschläge als “extremistische Angriffe auf unsere Demokratie“. Lassen wir das mal nachhallen: „... auf unsere Demokratie. … auf unsere Demokratie. … auf unsere Demokratie. …

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2 Antworten to “Brennende Autos und Angriffe auf Polizei in Berlin und Hamburg”

  1. Brennende Autos in der BRD Says:

    Organisierte Brandanschläge auf Nobelkarossen ?…

    Wir haben schon desöfteren von Brandanschlägen auf Autos ( PKW , LKW , Militärfahrzeuge ) gehört und gesehen , aber aufgrund der zunahme der Ereignisse , haben wir uns entschlossen , extra einen Blog ins Leben zu rufen…….

  2. mthemba Says:

    es schockt eine nicht wirklich,meine nachbarn nicht und mich sowieso nicht. einige brennende luxusschlitten werden von der versicherungen voll bezahlt , die „abwrackprämie“ für porsche und bmw greift wieder mal —
    o.k. nicht so schön und nicht vermittelbar, wenn das fahrzeug
    der nachbarin( alter kadett) brennt .

    aber es muss schon etwas mehr kommen jungs und mädels — ist das die einzige art eures aufstandes ?— vielleicht sich bei ner demo mit seinem polizisten kloppen —
    ne, aufstände, sollen sie erfolg haben, müssen organisert sein — themen gibts ja nun genug . und menschen auch.
    auch wenn wir armen schon vor den hartz gesetzen arm waren, haben wir jetzt viele durch die neuen gesetze verarmten auf unserer seite — das sollten wir nutzen —
    auch wenn jetzt schon die herrschenden und prominenten vor ein paar farbbeuteln und einige brennenden jeeps mit strafverschärfung drohen – was meint ihr wohl, wenn wir alle mal richtig anfangen — solange die gesetze und regelungen nicht auch von uns gemacht werden , haben wir mit dieser o.a. demokratie nichts zu tun


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