Professor: Milliardenvermögen sind das Problem

TitelDas ganze Ausmaß der Ungleichverteilung in Deutschland sei überhaupt noch nicht erkannt worden, erklärt der Dortmunder Verteilungsforscher Prof. Günther Moewes in einem Beitrag im Maiheft der Zeitschrift „Humane Wirtschaft“.

Zwar wisse man inzwischen aufgrund einer Studie des renommierten Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, vom Januar 2009, dass

– das reichste Prozent der Deutschen über 23% der gesamten Nettovermögen verfüge,

– die reichsten 10% über 61%

– 50% nach Schulden über null Vermögen und weniger und

– das Durchschnittsvermögen aller Deutschen 88 000 Euro betrage.

Das sage aber wenig über das wahre Ausmaß der Ungleichverteilung aus. Die 10% Reichsten besäßen durchschnittlich pro Kopf gerade einmal 603.000 Euro. Das kleinste Vermögen dieser reichsten 10% betrage (laut DIW) gerade einmal 222.000 Euro. Und das einschließlich Wohneigentum und Betriebsvermögen. D.h. ein großer Teil der reichsten 10% sei
immer noch Mittelstand. Also kein Grund zur Aufregung?

Doch, sagt der ehemalige Professor an der Fachhochschule Dortmund. Die eigentliche Dramatik der Ungleichverteilung spiele sich bei dem obersten reichsten einen Prozent ab. „Die Milliardenvermögen sind das Problem„, lautet denn auch der Titel seines Beitrags. Üblicherweise werde die Vermögensverteilung in einem 10-Säulen-Diagramm im Buchformat dargestellt.

4 Kilometer Geld
In diesem üblichen Maßstab entsprächen dann 10. 000 Euro = 2cm. Das Durchschnittseinkommen aller erwachsenen Deutschen von 88.000 Euro wären dann also 176 mm. Das größte Vermögens Deutschlands betrage aber bekanntlich 20 Milliarden Euro (Karl Albrecht , Aldi). Die würden in dieser Grafik nicht mehr Millimeter, Zentimeter oder Meter ausmachen, sondern genau vier Kilometer.

176 Millimeter gegen vier Kilometer – das sei das wahre Ausmaß der Ungleichverteilung in Deutschland.

Hinzu komme: Nur die Vermögen der 10% Reichsten haben sich laut DIW in den letzten Jahren ständig vermehrt, während die der übrigen 90% abgenommen hätten. Das liege daran, das nur diese 10% über ihre privaten Vermögen mehr Zinsen und Renditen einnehmen, als sie auf der anderen Seite über Preise, Mieten und Steuern wieder zahlen.

In manchen Preisen, vor allem in Energiepreisen steckten mittlerweile bis zu 70% Zinsanteil, weil heute alle Förderanlagen, Pipelines und Kraftwerke über Kredite finanziert würden und deren Zinsen dann auf die Preise abgewälzt würden. Das eigentliche Problem dabei sei nicht so sehr, daß Staat, Unternehmen und 90% der Privathaushalte ständig Zinsen und Kapitalkosten bezahlen müssten.

Das eigentliche Problem sei vielmehr, dass der Löwenanteil dieser Zinsen und Renditen auch noch auf die Privatkonten dieser 10% Reichsten fließen, die ohnehin schon 61% der Vermögen halten. Auf die Konten des Staates könne nichts fließen, weil der nur Schulden und keine Geldvermögen habe. Die aufgeblähte Schulden- und Kreditwirtschaft sei so mittlerweile zur unerschöpflichen, leistungslosen und nie versiegenden Einnahmequelle der Reichen geworden.

Es gehe nicht darum, den Milliardären ihre Milliardenvermögen wegzunehmen, schon gar nicht ihre Betriebsvermögen. Es gehe nur darum, den ständigen Weiteranstieg der sozialen Ungleichverteilung endlich durch eine vernünftige Besteuerung der Vermögensgewinne zu stoppen. Besteuert werden müssten vor allem solche Milliardenvermögen, die ständig auf der Suche nach Anlage um den Globus vagabundierten, dann mangels anderer Investitionsmöglichkeiten in leichtsinnige Kredite verwandelt würden und so einen erheblichen Anteil an der Finanzkrise hätten.

Auch die sogenannten „Rettungspakete“ dürften nicht diese vagabundierenden Milliardenvermögen bedienen, sondern müssten ausschließlich in solche Realinvestitionen fließen, die die Einkommens- und Vermögensverluste der breiten Bevölkerungsmehrheit verringerten und so den weiteren Anstieg der Ungleichverteilung stoppten.

Günther Moewes: Die Milliardenvermögen sind das Problem – und deren Übervermehrung ist die eigentliche Ursache der Finanzkrise. In: Humane Wirtschaft 03/09, Mai 2009

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