Demokratie gut – funktioniert aber nicht

Gütersloh, 6. Mai 2009. Die Menschen in Deutschland halten die Demokratie für die beste aller Staatsformen. Das gilt für Einheimische, Menschen mit Migrationshintergrund und in Deutschland lebende Ausländer gleichermaßen, ergab eine repräsentative Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.
Skeptischer äußerten sich die Befragten allerdings über das Funktionieren der Demokratie in Deutschland. 45 Prozent – in Ostdeutschland sogar 58 Prozent – sehen dies eher kritisch. Besonders unzufrieden sind Menschen mit Migrationshin­tergrund und Jugendliche mit niedrigem Bildungsabschluss.

Wer Deutschland kennt, wird unzufrieden
Dabei nimmt bei den zugewanderten Menschen die Unzufriedenheit zu, je länger sie in Deutsch­land leben. Zuwanderer, die ein Drittel ihres Lebens in Deutschland verbracht haben, sind noch zu 76 Prozent mit dem Funktionieren der deutschen Demokratie eher zufrieden, während es nur noch 48 Prozent bei denen sind, die mehr als zwei Drittel ihrer Lebensjahre in Deutschland verbracht haben.

Von den Befragten unter 34 Jahren mit Hauptschulabschluss ist rund die die Hälfte (53,2 Prozent) eher zufrieden mit der Demokratie in Deutschland, bei Menschen dieser Altersgruppe mit Hoch­schulreife sind es hingegen 71 Prozent. Auch die Akzeptanz der Demokratie als Staatsform ist bei jungen Hauptschulabsolventen mit 70 Prozent deutlich geringer als bei denen mit Hochschulreife (90 Prozent). Das kann unter Umständen daran liegen, dass hochschlureife Menschen und Hochschulabsolventen länger vom herrschenden System in dessen Richtung geprägt wurden, als Menschen die nur die Hauptschulen besuchen durften.

Zu den Möglichkeiten, in Deutschland lebende Ausländer stärker am demokratischen Geschehen zu beteiligen, zählen kommunales Ausländerwahlrecht für Nicht-EU-Bürger und Duldung von Dop­pel-Staatsbürgerschaften.

Diese Instrumente sind aber in der Bevölkerung umstritten. Das kom­munale Ausländerwahlrecht wird von fast der Hälfte (47 Prozent) der Zuwanderer befürwortet, während nur 31 Prozent der Einheimischen dafür ist. Größere Akzeptanz findet die doppelte Staatsbürgerschaft. Insgesamt 38 Prozent der Befragten befürworten sie (53 Prozent der Zuge­wanderten und 35 Prozent der Einheimischen). Von den unter 24-Jährigen sprachen sich aller­dings bereits insgesamt 52 Prozent für die Möglichkeit von Doppel-Staatsbürgerschaften aus.

Die repräsentative Umfrage der Bertelsmann Stiftung wurde im Kontext der Studie „Demokratie und Integration in Deutschland – Politische Partizipation und politische Führung aus Sicht von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund“ von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Insgesamt wurden in der Zeit vom 17.11. bis zum 02.12.2008 rund 2.000 Menschen befragt.

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