Arme Rentner

Derzeit haben acht Prozent der deutschen Rentner weniger als 700 Euro im Monat. In gut 20 Jahren wird schon jeder Fünfte in diesem Bereich liegen. Noch eklatanter sieht diese Rechnung für Frauen aus, die häufig in den schlechter bezahlten Branchen arbeiten: Schon jetzt schaffen es 13 Prozent von ihnen nicht über die 700-Euro-Hürde, im Jahr 2030 werden es 39 Prozent sein.

Da lässt der so genannte Niedriglohnsektor grüßen, in dem sich inzwischen über ein Viertel der Bevölkerung tummelt. Im Westen verdienen die Menschen, die man diesem Bereich zuordnet, derzeit 6,89 Euro je Stunde. Selbst mit einer lückenlosen Erwerbsbiografie ist damit nur eine Rente von um die 500 Euro je Monat zu erzielen. Noch schlimmer sieht die Situation für jene aus, die zwischendurch Bekanntschaft mit dem Sozialgesetzbuch II machen. Für ein Jahr in Hartz IV überweist Väterchen Staat 2,19 Euro in die Rentenkasse. Richtig gehört: Wer zehn Jahre mit Arbeitslosengeld II leben muss, bekommt dafür einen Rentenbeitrag von 21,90 zugeschrieben. Spätestens an dieser Stelle sollten – selbst neoliberal geprägte – Demokraten darüber nachdenken, ob es die soziale Marktwirtschaft oder gar den Sozialstaat noch gibt.

Die Regierenden versuchen mit der Erhöhung der Lebensarbeitszeit auf 67 Jahre ja sogar noch, die durchschnittliche Rentenhöhe durch Abschläge zu drücken. Anders lässt sich ihre Politik jedenfalls nicht erklären: In einer Gesellschaft, in der bislang 80 Prozent aller Werktätigen vor dem 65. Geburtstag aufhören (müssen), werden die wenigsten bis zum festgeschrieben Rentenalter 67 arbeiten.

Schon jetzt starten 50 Prozent der Deutschen mit Abschlägen in die Rente. Private Vorsorge? Ja, aber auch die muss man sich leisten können. Gerade für jene, die schlecht verdienen und fürchten müssen, nach Ende ihrer Berufstätigkeit mit einer Rente unterhalb des Grundsicherungsniveaus dazustehen, ist Riester keine Alternative. Denn selbst wer sich die Monatsbeiträge vom Maul abspart, muss damit rechnen, dass sein Erriestertes auf die Sozialhilfe angerechnet wird.

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