Schwanger durch Hartz IV

Schwangerschaftskonfliktberaterinnen besorgt über Verweigerung der Zahlung für Verhütungsmittel.

Die Frage nach fehlenden Finanzmitteln für Verhütungsmittel bei Empfängerinnen von Arbeitslosengeld II
(ALG II – auch Hartz IV genannt) erwies sich als Schwerpunktthema der diesjährigen Mitgliederversammung
der Vereins Frauenwürde e.V. am 12. Januar 2008 in Köln. Dringend ist hier eine Gesetzesänderung
notwendig, damit die Kosten für Verhütungsmittel übernommen werden, befand die Mitgliederversammlung
von Frauenwürde. „Es kann nicht angehen, dass Schwangerschaftsabbrüche für Arme vom Staat bezahlt
werden, Mittel zur Verhinderung einer ungewollten Schwangerschaft aber nicht
„, findet Annegret Laakmann, Vorsitzende von Frauenwürde e.V.

Nach Aussagen der Beraterinnen des Vereins wurden 2007 vermehrt ungewollt schwangere Frauen beraten,
die von ALG II leben. Als Grund gaben die betroffenen Frauen an, von dem knapp bemessenen Geld keine
sicheren Verhütungsmittel bezahlen zu können. Die Pille kostet ca. 10 € monatlich, für eine Spirale sind je
nach Qualität ca. 150 € fällig. „Das Geld für die Pille brauche ich, um für meinen Mann und meine zwei
Kinder eine halbe Woche für`s Frühstück einzukaufen
“ sagte eine Betroffene ihrer Beraterin. Also nicht zu
finanzieren, wenn der Regelsatz 311 € pro erwachsene Person bei Verheirateten und Zusammenlebenden oder
345 € für Alleinstehende beträgt. Davon sollen Ernährung, Kleidung, Hygieneartikel und mehr bezahlt werden.
Bis das Gesetz geändert wird, wollen der Frauenwürde e.V. und die in den Beratungsstellen des Vereins
tätigen Beraterinnen die Schaffung von kommunalen oder privaten Hilfsfonds vorantreiben, an die sich Frauen
mit wenig Geld zur Deckung von Kosten für Verhütungsmittel wenden können.

Ein weiteres Ärgernis ist die fehlende Kenntnis bei manchen Angestellten der örtlichen ARGE über die vor
allem jungen schwangeren Hartz IV-Empfängerinnen, die noch im Elternhaus wohnen, zustehenden Mittel.
Dieser Umstand führt häufig zu ermüdenden Diskussionen, deren Erfolg auch schon mal eingeklagt werden
muss.

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3 Antworten to “Schwanger durch Hartz IV”

  1. Kein Geld für die Pille « KEA-Nachrichten Says:

    […] in Köln ein Thema auf, welches wir bereits im Januar diesen Jahres unter der Überschrift “Schwanger durch Hartz IV” behandelt hatten. Gerne nehmen wir den aktuellen Bericht nochmals zum Anlass, um auf diesen […]

  2. cers Says:

    Hartz IV als Liebestöter

    Zur Veröffentlichung einer Studie über fehlende Möglichkeiten der Schwangerschaftsverhütung bei Hartz-IV-Bezug erklärt die stellvertretende Parteivorsitzende Katja Kipping am 04.02.2008:

    Für Arztbesuche und Medikamente stehen Hartz-IV-Beziehenden monatlich nur 13,17 Euro zur Verfügung. Ergebnisse einer jüngsten Untersuchung zeigen deutlich: Der Hartz-IV-Regelsatz reicht nicht aus, um Verhütungsmittel zu bezahlen. Ungewollte Schwangerschaften bei Frauen
    mit geringem Einkommen nehmen zu. Das Liebesleben steht unter dem Zeichen von Armut.
    Selbst bestimmte Familienplanung ist nicht möglich. Um diese abzusichern, bedarf es für Menschen mit geringem Einkommen des kostenfreien Zugangs zu Verhütungsmitteln. Darüber hinaus ist eine sofortige Erhöhung der Regelsätze bei Hartz IV und Sozialhilfe dringend notwendig.

  3. cers Says:

    Familienplanung gibt es praktisch nur theoretisch
    Auswirkungen von Hartz IV auf das Kontrazeptionsverhalten von Hartz IV-Empfängerinnen im Kontext der Schwangerschafts(konflikt)beratung
    INHALTSANGABE:

    Bereits in den 1990er Jahren wurde deutlich, dass sich die Systeme des Wohlfahrtsstaates zukünftig nicht mehr in herkömmlicher Art und Weise tragen lassen. Die fortschreitende demografische und strukturelle Veränderung der Gesellschaft bringt den Wohlfahrtsstaat in Bedrängnis: Sinkende Geburtenraten, höhere Lebenserwartung, steigende Arbeitslosigkeit, Osterweiterung, Globalisierung und Wertewandel erfordern umfassende Reformpakete auf allen politischen Ebenen und Bereichen. Ein Reformpaket, welches ein Modell zur Reform des Arbeitsmarktes darstellt, trat am 01. Januar 2005 in Kraft: das ‚vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt‘ (Hartz IV). Vor der Verabschiedung von Hartz IV erklärte die BUNDESREGIERUNG: „Der neue Regelsatz verbessert die Situation der betroffenen Menschen“. Auch der Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes, vertreten durch DGB-Vizechefin Engelen-Kefer, schloss sich dieser Aussage an: „Wer bisher Sozialhilfe erhalten hat, profitiert von der neuen Regelung.“ Diese Aussagen und die mit Hartz IV verbundenen Veränderungen werden in der vorliegenden Masterarbeit unter dem Aspekt ‚Kostenübernahme von Kontrazeptionsmitteln‘ beleuchtet und auf den Prüfstand gestellt. Mit dem Reformpaket des Arbeitsmarktes ‚Hartz IV‘ und der damit einhergehenden Umgestaltung der Rege-lung zur Kostenübernahme von Verhütungsmitteln für Arbeitslosengeld II-Empfängerinnen und -Empfänger sind wir mit einer geänderten (Sozial)Gesetzgebung konfrontiert, die sich in hohem Maße auf die Profession der (Sexual)Pädagoginnen und -pädagogen und das Feld der Schwangerschafts- und Familienplanungsberatung auswirkt.

    Ziel ist die Untersuchung der Auswirkungen der neuen Regelungen von Hartz IV auf das Verhütungsverhalten von ALG II-Empfängerinnen. Zu überprüfende Hypo-thesen hierbei sind:

    – ALG II-Empfängerinnen geraten durch die gestrichene Kostenübernahme von Verhütungsmitteln ökonomisch zusätzlich in Bedrängnis, eine Veränderung im Kontrazeptionsverhalten hin zu günstigeren und weniger sicheren Verhütungsmitteln ist mit Eintritt in den Bezug von ALG II zu verzeichnen.

    – Die Option eines Rückgriffs von ALG II-Empfängerinnen auf den Schwangerschaftsabbruch im Rahmen ihres Verhütungsverhaltens gewinnt an Bedeutung. Da nachweislich die Hauptlast einer konsequenten Verhütung in der Verantwortung von Frauen liegt (s. Kapitel 3.2.1), bezieht sich die vorliegende Analyse ausschließlich auf ALG II-Empfängerinnen.

    Im allgemeinen Sprachgebrauch wird ‚Hartz IV‘ mittlerweile adäquat zu ‚ALG II‘ bzw. ‚ALG II und Sozialgeld‘ verwendet. Zudem bedienen sich viele Artikel und Texte dieser Begriffe in gleichwertiger Form. In der vorliegenden Arbeit soll darauf verzichtet werden und ‚Hartz IV‘ als Reformpaket des Arbeitsmarktes und ‚ALG II‘ als die originäre staatliche Unterstützungsleistung, resultierend aus dem SGB II, Verwendung finden. Der Titel dieser Arbeit und einige Zitate hingegen bleiben dem allgemeinen Sprachgebrauch geschuldet.

    Gang der Untersuchung:

    Die Arbeit gibt im ersten (theoretischen) Teil einen Überblick über sexuelle und reproduktive Rechte, die Grundlagen von Familienplanung, die Entwicklung der aktuellen gesetzlichen Grundlagen der Hartz IV-Reformen der Arbeitsförderung und zeigt deren Einfluss auf das Kontrazeptionsverhalten von ALG II-Empfängerinnen auf.

    Den Reformprozess der ‚Agenda 2010‘ bzgl. der Arbeitsförderung vollständig abzubilden ist auf Grund der anhaltenden Änderungen und Neuerungen kaum möglich. Daher stelle ich die maßgeblichen Eckpunkte und Auswirkungen vor und beziehe Reaktionen großer Verbände und Institutionen auf diese Reformen in die Betrachtung ein.

    Im zweiten (empirischen) Teil wird erhobenes Datenmaterial zum Verhütungsverhalten von ALG II-Empfängerinnen im Rahmen einer Stichprobenstudie analysiert und mit den aus den theoretischen Vorüberlegungen erstellten Thesen verglichen und interpretiert.

    Bestelbar für 74 Euro unter:
    http://www.diplom.de/katalog/arbeit/10257#bestellen


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