Koch und die Ausländer

Essen (ots) – Roland Kochs Analyse kennzeichnet eine bestechende Schlichtheit. „Wir haben zu viele junge kriminelle Ausländer.“ Das stimmt. Doch wer sich von populistischen Wahlparolen nicht verführen lassen will, der ergänzt Kochs kleinen Teil einer Wahrheit. Wir haben zu viele junge kriminelle Deutsche. Wir haben zu viele ausländische und deutsche Eltern in einer Parallelwelt, deren Kinder archaisch anmutenden Wertvorstellungen, geistiger und finanzieller Armut und Perspektivlosigkeit ausgeliefert sind. Wir haben zu viele Verantwortliche in Politik und Wirtschaft, die das kaum interessiert, weil sie in ihrer privilegierten Welt sehr schön zurechtkommen.

Die Parallelwelt am Rand der Gesellschaft lädt selten zum Hinschauen ein, eigentlich nur, wenn sie Entsetzen erregende Schlagzeilen produziert. Wenn – vorwiegend deutsche – Eltern ihre Kinder zu Tode quälen, ersticken oder verhungern lassen, breiten sich Fassungslosigkeit und tiefes Mitleid mit den Opfern aus. Wenn – zunehmend ausländische – Jugendliche kriminell werden, dann mischt sich leicht Wut in die Gefühle.

– Beim Wahlkampf 1999 die doppelte Staatsbürgerschaft und jetzt „zu viele kriminelle junge Ausländer“ als Topthema bei der Jagd nach Wählerstimmen? – Mit seinem Interview in einem Boulevard-Blatt hat sich der hessische Ministerpräsident keinen Gefallen getan, zumal er die Beweise für seine Behauptungen schuldig blieb.

Wieviele kriminelle junge Ausländer dürfen es denn sein, sei zurückgefragt. Koch ist im Grunde hilf- und ratlos; er setzt auf den Schock, den die Bilder einer Überwachungskamera in München von zwei Gewalttätern auslösten, die einen Rentner mit Tritten und Schlägen schwer verletzten. So etwas mitanzusehen, geht jedem Menschen unter die Haut. Daraus aber den Ruf nach immer neuen und schärferen Gesetzen abzuleiten, ist billig und hoffentlich nicht tonangebend für den restlichen Landtagswahlkampf. Mangelnde Zivilcourage wäre viel eher ein Thema. Warum hat dem im Zug schon heftig Bedrängten denn niemand geholfen? Dort wurde der Mann bereits angespuckt und angepöbelt. Weshalb hat keiner die Notbremse gezogen, Alarm ausgelöst, laut losgebrüllt oder seinerseits den beiden Burschen Prügel angedroht? Es werden ja wohl nicht nur Hänflinge in dem Waggon gesessen haben. Zudem sind Gewalttätigkeiten in Nahverkehrszügen nicht einmal so selten und mitnichten ein Privileg von Ausländern, wie Koch suggeriert.

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Veröffentlicht in Bundespolitik, Sozialraub. 1 Comment »

Eine Antwort to “Koch und die Ausländer”

  1. cers Says:

    Pofalla:“Roland Koch handelt richtig.“
    Zur Kritik an den Äußerungen des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch zu kriminellen jungen Ausländern erklärt CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla:

    „Ich warne die Kritiker aus den Reihen von SPD und Grünen davor,mit absurden Argumenten wie dem der Ausländerfeindlichkeit eine
    wirklich notwendige Debatte abzuwürgen.“


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