Pflanzennetz

Hamburg (ots) – 19. September 2007 – „Für uns gibt es zwischen Tier- und Pflanzenreich kaum Unterschiede“, erklärt Zellularbiologe Frantisek Baluska von der Universität Bonn im P.M. Magazin. Pflanzen können riechen, schmecken, sehen, hören und sprechen. Sie haben vermutlich sogar mehr Sinne als Menschen. So „erspüren“ Pflanzen mindestens 20 verschiedene Umweltfaktoren, darunter Licht, Bodenstruktur und Schwerkraft. Außerdem orientieren sie sich – ähnlich wie Vögel – an elektrischen und magnetischen Feldern der Erde.

  Die Wurzeln der Pflanzen können in der Kommunikation problemlos mit dem Internet mithalten: Das Infonetz der Pflanzen ist mindestens so groß wie das World Wide Web. Eine einzige Roggenpflanze besitzt 13 Millionen Wurzelfasern mit einer Gesamtlänge von 600 Kilometern – ein riesiges dynamisches Kommunikationsnetz. An der Spitze jeder Wurzelfaser wurden spezialisierte Zellen entdeckt, die „gehirnähnliche Funktionen“ wahrnehmen. Zusammen bilden sie das „Gehirn der Pflanze“, man könnte auch von einem „Wood Wide Web“ sprechen.

  „Wir wissen jetzt, dass Pflanzen insbesondere unter der Erde intensiv miteinander kommunizieren“, erklärt Baluska im Interview mit P.M. Magazin. Zur Kommunikation verwenden sie in Wasser gelöste Botenstoffe, die sie mit den Wurzeln „schmecken“ können. Und nicht nur das: Pflanzen können auch zwischen ihrer eigenen Art und Fremden unterscheiden.
Leidet eine Pflanze, wenn man ihr ein Blatt abzupft? Darüber sei nichts bekannt, so der Forscher. Eines ist aber sicher: Der Pflanzenforschung steht eine aufregende Zeit bevor, vielleicht sogar ein Paradigmenwechsel in der Sicht auf die Natur.

Advertisements
Veröffentlicht in Uncategorized. Leave a Comment »
%d Bloggern gefällt das: