10 Euro gegen Kinderarmut

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer in Deutschland. Und es gibt immer mehr Arme, Menschen, die zwar ein Dach über dem Kopf haben, meist genug, wenn auch nicht gesund zu essen, die damit selbstredend besser leben als Arme etwa in Entwicklungsländern. Die aber an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt sind, weil sie sich das meiste von dem nicht leisten können, was für die anderen das Leben erst lebenswert macht.
 Besonders die Kinder haben unter der Armut zu leiden. Sie machen früh die Erfahrung, ausgeschlossen zu sein: Weil das Geld für ein Geschenk zum Kindergeburtstag fehlt oder für den Ausflug mit der
Schule oder gar weil kein Geld da ist für die Schulmaterialien die gefordert werden, weil sie es nicht wagen, Freunde nach Hause einzuladen.  
Es ist schmerzhaft, in einem reichen Land wie Deutschland das Wort Kinderarmut aussprechen zu müssen. Doch dieser Fakt lässt sich nicht mehr beschönigen. Schätzungsweise 2,6 Millionen Mädchen und Jungen leben auf Sozialhilfeniveau. Eine erschreckende Entwicklung, die schon unter Rot-Grün begonnen hatte und sich bis heute weiter verschärft hat. Das zu registrieren, muss man kein Linker sein.

  • Jürgen Rüttgers hat gerade auch darüber ein Buch geschrieben.

  • Ursula von der Leyen nennt den Kampf gegen die Kinderarmut ihre wichtigste Aufgabe.

Worte und Papier mit denen noch keinem Kind geholfen ist. Doch einer schreitet zur Tat, so scheint es, Franz Müntefering:
Der Arbeitsminister denkt darüber nach, den Regelsatz für Hartz-IV betroffene Kinder zu erhöhen.

 Um satte 10 Euro.  
 Von wegen Tat, er denkt darüber nach!  

+++ INFO+++Der Regelsatz nach Hartz-IV für ein Kind unter 14 Jahren beträgt derzeit 207 Euro im Monat, bei 15- bis 25-Jährigen sind es 278 Euro. Das Kindergeld wird damit voll verrechnet, also abgezogen.

 Wenn der Arbeitsminister nun in Aussicht stellt, Kinder in Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften mit erhöhten Eckregelsätzen zu unterstützen, so ist das zunächst mal ein lohnenswerter Ansatz und 10 Euro mehr ist besser als nichts. Aber aus der Armut herausgeholt wird damit kein Kind. Wer Kinderarmut bekämpfen will, kommt an der Armut der Eltern nicht vorbei – und damit an generell höheren Hartz-IV-Sätzen. Noch haben Münteferings Vorschläge aber die wichtigste Hürde nicht genommen: Finanzminister Peer Steinbrück. An den 500 Millionen Euro, die Müntefering für seine Kinderzuschüsse veranschlagt hat, sollte sich Sparkommissar Steinbrück allerdings nicht festbeißen. Das wäre eine Investition in die Zukunft. Denn Kinderarmut muss in Deutschland wieder ein Fremdwort werden. Das zusätzliche Geld müsse dann aber bei den betroffenen Kindern so ankommen, dass es beispielsweise für preisgünstige und gesunde Ernährung genutzt werde, stellte Müntefering am Donnerstag in der Haushaltsdebatte des Bundestages klar. „dass sie das haben, was sie haben müssten“, sagte der SPD-Politiker. Was wiederum unterstellt, dass die Eltern dafür eben dafür NICHT sorge. Im weiteren Schluss heißt das, die Eltern würden eher das Geld versaufen, als ihren Kindern was Vernünftiges zu essen zu kaufen. Und dass es sich hierbei auch nur um virtuelle Gedankenspiele handelt, zeigte Münteferings Verweis auf die Überprüfung der Regelsätze im Allgemeinen und seine wiederholte Verknüpfung mit der Einführung eines Mindestlohnes. Das es jetzt nicht mal zu einer Erhöhung um diese 10 Euro für Kinder kommen könnte, wird also am parteitaktischen Geplänkel um den Mindestlohn liegen. Dazu wurde in diesem Blog auch schon berichtet. (unter anderem: hier)

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