Deutschland ist ungerecht!

Hamburg (ots) – GEO-Umfrage erbringt überraschende Ergebnisse. Die Oktober-Ausgabe widmet sich in 20 Geschichten dem Menschheitsthema Gerechtigkeit

Deutschland ist ungerecht! Dieser Ansicht sind die meisten Deutschen. Dies ergab eine repräsentative Umfrage der Zeitschrift GEO und der Humboldt-Universität Berlin im Sommer 2007. Und: Die Deutschen haben den Eindruck, dass die Verhältnisse in ihrem Land immer ungerechter werden. Nur knapp die Hälfte der Bürger glaubt heute noch, dass Begabung und Intelligenz belohnt werden – deutlich weniger als im Jahr 1991. Dies ergeben Vergleichszahlen aus einem seit 17 Jahren laufenden Forschungsprojekt der Universität.

Die GEO-Redaktion hat – in Zusammenarbeit mit dem „International Social Justice Project“ der Humboldt-Universität Berlin – 1.019 repräsentativ ausgewählte Deutsche zu ihrem Gerechtigkeitsempfinden befragt.

Das Thema „Gerechtigkeit“ treibt die Deutschen um

Wie die Umfrage zeigt, gehört „Gerechtigkeit“ in Deutschland derzeit zu den bestimmenden Fragen beim Nachdenken über unsere Gesellschaft: 85 Prozent der Befragten gaben an, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Als besonders ungerecht wird die Verteilung der Reichtümer angesehen. 82 Prozent finden, dass „Einkommen und Vermögen in Deutschland ungerecht verteilt sind“.
Unmut herrscht vor allem über die als exorbitant empfundenen Gehälter für Spitzenmanager. Die gefühlte Ungleichverteilung hat einen realen Hintergrund: In der Tat haben sich Einkommens- und Vermögensverhältnisse in den vergangenen Jahren deutlich zugunsten der reichsten zehn Prozent verschoben.

Votum für einen starken Sozialstaat

Klar wird in der Umfrage auch: Die Deutschen wünschen sich einen Staat, der mehr soziale Verantwortung übernimmt. Auffällig ist, dass Ostdeutsche höhere Ansprüche an den Sozialstaat stellen als Westdeutsche. In einem überraschend deutlichen Votum plädiert eine
große Mehrheit (Westdeutschland: 75 Prozent; Ostdeutschland: 88 Prozent) dafür, dass „der Staat für alle, die arbeiten wollen, einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen“ sollte. Nahezu ebenso viele Menschen sind der Ansicht, die Regierung müsse „für alle Menschen einen Mindestlebensstandard garantieren“. Der Aussage „Der Staat sollte eine Obergrenze für die Einkommenshöhe festsetzen“ stimmen im Westen 41 Prozent, im Osten sogar 57 Prozent der Befragten zu.

Gefühlte Ungerechtigkeit beginnt in Deutschland bereits bei ungleichen Startchancen. Weniger als ein Drittel der Deutschen glaubt, dass in ihrem Land alle Menschen die gleichen Chancen haben, vorwärts zu kommen. Für mehr Chancengleichheit fordert eine wiederum große Mehrheit (86 Prozent im Osten, 78 Prozent im Westen des Landes), dass „die Betreuung in Krippen und Kindergärten grundsätzlich kostenlos“ sein sollte. Lediglich 34 Prozent der Deutschen halten hingegen das Bildungswesen für ungerecht – obwohl ausgerechnet hier die Ungleichheit am stärksten fühlbar sein könnte und obwohl das deutsche Schulsystem im internationalen Vergleich als extrem unfair dasteht.

Einige weitere Themen in der Oktober-Ausgabe von GEO: Wie ist
unsere Welt verfasst? Essays der Schriftstellerin Juli Zeh; des
Pädagogen Hartmut von Hentig; des Oberstaatsanwaltes Detlev Mehlis;
des Leiters der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe;
des Sprechers der „Selbsthilfe Eschede“, Heinrich Löwen, u. a. +++
Der bessere Egoist – Was Wirtschaftswissenschaftler, Neurologen und
Anthropologen am Institut für empirische Wirtschaftsforschung in
Zürich über die Fähigkeit des Menschen zur Fairness herausgefunden
haben +++ „Komm, wir machen halbe-halbe“ – Kinder und ihr
Gerechtigkeitsgefühl +++ Die bittere und die reiche Ernte – Was
Globalisierung für die Bauern in Indien bedeutet; und in den USA +++
Ein Millionär gibt zurück – Mohamed Ibrahims Preis für gute
Regierungsführung +++ Wie gerecht sind 1.250 Euro? – Ein
Krankenschwestern-Gehalt in der Leistungsgesellschaft +++ Über den
Wandel des Leistungsbegriffs – Interview mit dem Soziologen Sighard
Neckel +++ Utopia im Wald – die gerechten Kommunarden von Twin Oaks,
Virginia +++ Schuld ohne Sühne – Wie lebt das kambodschanische Volk
mit seinen Massenmördern? +++ Schiedsrichter Merk – die Kunst der
Neutralität +++ Mittelalterjustiz – schuldige Schweine und kriminelle
Ratten +++ Das billige Hemd – Wie verantwortlich sind
Supermarktkunden für die Lage chinesischer Schneiderinnen?


Wer steckt hinter GEO?

Die Oktober-Ausgabe von GEO erscheint zum Preis von 6 Euro am 14. September.
GEO erscheint im Verlag Gruner & Jahr. Gruner + Jahr gehört zu 74,9 Prozent der Bertelsmann AG und zu 25,1 Prozent der Hamburger Verlegerfamilie Jahr.
Zur Bertelsmann AG gehören unter anderem BMG und die RTL-Group.
Die Aktionärsstruktur der Bertelsmann AG:
23,1 % Familie Mohn
76,9 % Bertelsmann Stiftung

Aus dem Leitbild der Bertelsmann-Stiftung:

Im Wettbewerb der Ordnungssysteme haben sich repräsentative Demokratie und soziale Marktwirtschaft als Organisationsformen des gesellschaftlichen Zusammenlebens bewährt.
[…]
Unsere Arbeit wird von der Erkenntnis Reinhard Mohns geprägt, dass unternehmerisches Denken und Handeln entscheidend dazu beitragen, Problemlösungen für die verschiedenen Bereiche unserer Gesellschaft zu entwickeln und erstarrte Strukturen aufzulösen.
[…]
Unsere Aktivitäten fokussieren wir nur auf Themen, die einen entscheidenden Einfluss auf die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft haben.
[…]
Es ist unser Ziel, wegweisende Impulse für die gesellschaftliche Entwicklung zu geben. Unsere Argumente sollen die Meinungsbildung und die öffentliche Diskussion prägen.
[…]
Unser vorrangiges Ziel als operative Stiftung ist eine möglichst große und nachhaltige gesellschaftliche Wirkung unserer Arbeit…..

Das ganze Leitbild gibt es hier.

Nur damit man weiß, wer hier Meinung macht.

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