Deutsche lassen sich doch nicht verarschen

Vor allem Deutschlands so genannte „bürgerliche Mitte“ blickt trotzt Aufschwungpropaganda  unverändert besorgt in die Zukunft.

  Obwohl uns die Medien davon überzeugen wollen:
dass Deutschland nach einigen Jahren  derzeit wieder eine stabile wirtschaftliche Aufschwungphase erlebt,
dass das Wirtschaftswachstum sich als robust zeigt ,
dass das angeblich reale Bruttoinlandsprodukt um 3,3% klettert und
dass zugleich die offizielle Zahl der Erwerbslosen überraschend schnell sinkt.
Ist die reale Stimmungslage in der so genannten bürgerlichen Mitte Deutschlands unverändert von großen Zukunftsängsten geplagt. Das steht in einem starken Kontrast zum ach so freundlichem Umfeld, welches uns die Medien zu vermitteln versuchen.  Das ergab eine Stimmungsanalyse des Versicherungskonzerns ARAG, die das Markt- und Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid durchgeführt hat.

  „Wir beobachten in unseren Marktanalysen bereits seit Jahren einen wachsenden Pessimismus in dieser wichtigen Zielgruppe. Dem wollten wir mit einer gezielten Befragung auf den Grund gehen“, erläuterte Klaus Heiermann, Hauptabteilungsleiter Konzernkommunikation, das Vorgehen des Düsseldorfer Versicherungskonzerns. Befragt wurden rund 1.000 Personen. In persönlichen Interviews gaben sie Auskunft zu den Risiken, denen sie sich ausgesetzt sehen. Die Ergebnisse sind in ihrer Deutlichkeit bemerkenswert. Insgesamt empfinden 89,7% einen sozialen Abstieg als größte Bedrohung.  Signifikant sind die Antworten in der Berufsgruppe der leitenden Angestellten und Beamten. Hier fürchten sich 93,7% vor einem sozialen Abstieg. 70,5% sehen das Risiko durch Langzeitarbeitslosigkeit zum ALG II-Empfänger zu werden. 66,1% befürchten, dass das Einkommen nicht ausreicht, um den Lebensstandard zu halten und 77,9% machen sich Sorgen um die Zukunft der Kinder. Darüber hinaus befürchten mehr als 64 Prozent der Befragten eine künftige medizinische Unterversorgung.

  Diese Ergebnisse unterstreichen: Für die bürgerliche Mitte gibt es keinen Anlass, die eigene Lebenssituation mit wachsendem Optimismus zu sehen. Vor dem Hintergrund der allgemeinen verbreiteten Nachricht der wirtschaftlichen Gesundung erscheint so viel Pessimismus auf den ersten Blick verblüffend. Trotz bester Prognosen für das Wirtschaftswachstum bleibt ein erkennbarer Bewusstseinswandel bei dieser gesellschaftlichen Gruppe bisher aus.

  Dahinter verbirgt sich die für viele Bürger neue Erfahrung, dass in einem weitgehenden politischen Konsens der Sozialstaat abgebaut und in so genannte „private Vorsorge“ ausgegliedert wird.erwartet wird. Der Staat hat die Daseinsvorsorge für seine Bürger deutlich zurückgefahren. Er konzentriert sich zunehmend darauf, die Wirtschaft zu fördern.
Zugleich nimmt er die Bevölkerung für die eigene Daseinsvorsorge in die Pflicht und spült somit privaten Versicherungen wieder Milliarden in die Kassen. Vor dem Hintergrund der Gesundheitsreform zeigt die deutlich geäußerte Sorge um die persönliche Gesundheitsversorgung beispielhaft die Stimmungswirkung dieser gesellschaftlichen Umverteilungspolitik.

Das aktuelle Meinungsbild verdeutlicht: Das neue Rollenverständnis, das den Menschen zugedacht wird, sorgt offenbar für großes Unbehagen und wird in Zukunftsängste übersetzt. Damit ist das Spannungsfeld klar beschrieben. Der Umbau der Sozial-, Steuer- und Tarifsysteme leistet einerseits einen Beitrag zum aktuellen Wirtschaftsaufschwung. Zugleich aber verunsichern diese Veränderungen die größte Gesellschaftsschicht Deutschlands.

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