5000 protestieren gegen industrialisierte Landwirtschaft und Hunger in der Welt

land.jpg Rostock (ots) – Trotz vieler Parallelveranstaltungen zogen über 5000 Menschen am Nachmittag durch die Rostocker Innenstadt – mit dabei zahlreiche Großpuppen, Clowns und Sambagruppen. „Wir lassen uns das Recht auf Demonstration nicht nehmen und nicht provozieren“, so Georg Jansen, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (ABL) und im Wendland seit Jahren im Widerstand gegen die Castor-Transporte aktiv.“Wir haben gute Gründe, warum wir hier sind“, so Jansen weiter.
Entgegen der Rhetorik der Hunger- und Armutsbekämpfung, die jeden G8-Gipfel begleitet, verfolgen die reichsten Industrieländer eine zerstörerische, neoliberal zugespitzte Agrar- und Fischereipolitik, die zu mehr Vertreibung, Hunger und rasant wachsender Ungleichheit führt. Hiervon profitieren weltweit vor allem transnationale Konzerne und Großagrarier. Die G8-Regierungen und die EU haben einen erheblichen Anteil daran, dass die Existenzgrundlagen von Kleinbauern insbesondere in den ärmeren Ländern systematisch zerstört werden.
Eine Folge davon, dass subventionierte Lebensmittel ihre Märkte kaputt machen und Entwicklungsländer durch WTO und bilaterale Freihandelsabkommen zur ungeregelten Weltmarktöffnung gezwungen werden.
Armut ist politisch gewollt. Weil Menschen davon profitieren, wenn andere Menschen hungern müssen.„, so erneut Georg Jansen von der ABL.
Die Aktivistin des globalen Kleinbauernnetzwerkes La via campensina, Flor Martinez aus Nicaragua, macht Freihandel, Gentechnik und den Boom der Biotreibstoffe dafür verantwortlich, dass Menschen in den Entwicklungsländern kein Land zum Anbau ihrer Lebensmittel haben. „Die G8 gefährden unsere Ernährung und zerstören unsere Umwelt“, so Martinez weiter. „Es braucht ein anderes Landwirtschaftmodell in Nord und in Süd, ökologisch, sozial gerecht und an den Bedürfnissen der Menschen orientiert“, so Thomas Janoschka vom Aktionsnetzwerk globale Landwirtschaft. Das bedeute: keine Freihandelsabkommen über Agrarprodukte, den Vorrang des Anbaus von Lebensmitteln vor Energiepflanzen und Viehfutter, die Förderung kleinbäuerlicher Strukturen statt die Subventionierung von industrialisierter Großproduktion, den freien Zugang zu Saatgut und die Verhinderung von Dumpinglöhnen in Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung und Handel.“Damit Hunger und Umweltzerstörung in der Welt wirklich bekämpft werden.“, so Janoschka weiter.
Die Demonstration begann an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock, wo massiv im Bereich der Gentechnik geforscht wird. Der Imker Michael Grolm hielt es bei der Auftaktkundgebung für nicht unwahrscheinlich, dass Genmais für das dramatische Bienensterben verantwortlich ist.

Ein Zwischenhalt gab es an einer Filiale des Discounters LIDL. Der rund: Die niedrigen Löhne der Verkäuferinnen, die das letzte Glied iner ausbeuterischen Produktionskette in der Landwirtschaft sind.
Die Kontrolle über Saatgut und Anbau bis hin zum Einzelhandel befindet sich weitgehend in den Händen einiger weniger global gierender Konzerne; Bauern in Süd und Nord sind ihrem Preisdiktat ausgeliefert und erhalten Erzeugerpreise oft unter den Produktionskosten. Nach der Demonstration zogen 2000 Menschen weiter nach Groß Lüddewitz, wo sie gegen das dortige Agro-Bio-Technikum und dessen umstrittene Genforschung und Freilandversuche protestieren. Einige der Maiskolben, die am Morgen bei einer Befreiung eines tausend Quadratmeter großen Genmaisfeldes im vorpommerschen Strassburg geerntet wurden, waren bereits auf die Demonstration mitgebracht worden.

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Attac-Erklärung zum Ablauf der internationalen G8-Großdemonstration in Rostock

Schwimmen lernen in der Informationsflut…
Kreativer, friedlicher Protest in Rostock überwiegt und macht Mut

Sonntag, 3. Juni 2007

Liebe Freundinnen und Freunde,

an der Ostseeküste haben die Proteste gegen den bevorstehenden G8-Gipfel begonnen.

80.000 Menschen aus ganz verschiedenen Organisationen und Initiativen demonstrierten gestern friedlich unter dem Motto „Eine andere Welt ist möglich“. Der Rostocker Oberbürgermeister lobte den Verlauf der Demonstrationszüge zum Stadthafen, an dem eine mehrstündige Abschlusskundgebung stattfand.

Überall waren kreative Beiträge zum Protest zu sehen: farbenfrohe Transparente schmückten den Demozug, Großpuppen überwanden gemalte Sicherheitszäune, ein Patentmonster fraß Saatgut und Medikamente, rote Ballons forderten eine wirksame Entschuldung der ärmsten Länder. An ungezählten Rucksäcken flatterte unser G8-Protestwimpel.

Wir konnten zu Beginn der Abschlusskundgebung sehr zufrieden sein mit diesem Auftakt in Rostock. Die zahlreichen Demo-Mitveranstalter hielten sich ebenso wie die Polizei an die im Vorfeld getroffenen Verabredungen, friedlichen Protest zu gestalten und zuzulassen. Das Spektrum des vorbereitenden Bündnisses reichte von der Interventionistischen Linken über Attac, Gewerkschaften und christliche Gruppen bis hin zu großen NGOs wie Greenpeace.
Leider kam es am Ziel der Demonstrationen dann zu einer gewaltsamen Aktion aus der Demo heraus. Aus dem Block „Make Capitalism History“ heraus wurde von Teilnehmern, die sich zu keiner Zeit in die Vorbereitungen der Demo eingebracht hatten, ein Polizeiauto angegriffen und die beiden darin sitzenden Polizisten verletzt. Daraufhin gingen mehrere Polizeieinheiten in die Demonstration. Darauf reagierten ca. 500 Demonstranten mit Steinwürfen und Feuerwerkskörpern und lieferten sich heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Danach eskalierte die Si tuation unter Beteiligung beider Seiten weiter. Eine Beruhigung der Lage erfolgte nach aktivem Bemühen um Deeskalation durch die Veranstalter und intensiven Kontakten zwischen Demo-Leitung und Polizei.

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac verurteilt scharf den tätlichen Angriff auf die beiden Polizeibeamten. Auch das wiederholte Nachsetzen einiger Protestteilnehmer auf die sich zeitweise zurückziehende Polizei war vollkommen verantwortungslos.

Am späteren Abend entspannte sich die Lage – nachdem immer mehr Demonstrierende aktiv die Deeskalation unterstützt hatten und auch die Polizei auf dem Platz sich darauf einließ. Danach genossen noch mehr als 20 000 Protestaktive trotz der Vorfälle das Konzert „Move against G8“, tanzten, sangen und tankten Kraft für die nächsten Tage.

Diese Kraft werden wir brauchen und schauen heute bei strahlendem Sonnenschein den nächsten Tagen mit Spannung, aber auch Zuversicht entgegen. Atta c hat mehrere schöne und wichtige Aktionen vorbereitet.

Heute noch werden vor der großen Bühne Tausende mit uns ein Band der Klimalügen knüpfen. Kilometerweise Baumwollband liegt bereit und wird in einer riesigen Mitmachaktion mit Kritik und Forderungen zur Klimapolitik der G8 und unserer Bundesregierung beschriftet werden. Sonntag ist außerdem Thementag „globalisierte Landwirtschaft“ mit dem Motto „Widerstand ist fruchtbar“. Das Attac-Agrarnetz gestaltet eine bunte Treckerdemo und eine Rallye zu verschiedenen Orten in der Umgebung mit.

Morgen rettet Attac die Welt. Darauf freuen wir uns besonders und sind sicher, dass die Aktion, obwohl nur symbolisch, Mut zur weiteren Arbeit machen kann. Bis zu 100 Schwimmerinnen und Schwimmer werden im Rostocker Hafenbecken eine große Weltkugel aus einem Netz befreien, mit dem die G8 unsere Erde hinter sich herzieht. „Stoppt den Raubzug der G8“ ist das Motto.

Am Dienstag beginnt der Alt ernativkongress in Rostock. Viele ReferntInnen aus aller Welt sind bereits angereist oder werden noch erwartet. Wir gestalten das Forum „Wem gehört die Welt?“, freuen uns auf die Diskussionen und sind gespannt auf die Perspektiven, die sich daraus ergeben.

Bei vielen anderen Aktionen sind Attacis außerdem dabei. Nach den unschönen Szenen von gestern schwingt bei allem die Sorge mit, wie der breite friedliche Protest wohl „rüberkommt“, wenn wieder Wenige über die Stränge schlagen. Uns ist es wichtig, das breite Bündnis, das zu den Protesten aufrief, aufrecht zu erhalten und gemeinsam die Tage hier in Rostock und der Umgebung zu einem Erfolg zu machen.

Ganz wichtig ist dabei auch Deine bzw. Ihre Aufmerksamkeit. Dramatische Bilder finden leider oft schneller ihren Weg auf die Fernsehbildschirme als die leisere, kreative Protestarbeit. Wir sind aber davon überzeugt, dass diese wirksam ist und ohne Attac so gar nicht geschehen könnte.< br />
Noch bieten die G8-Proteste alle Chancen, gestärkt und motiviert unsere globalisierungskritische Arbeit fortzusetzen.

Eine ausführlichere Erklärung von Attac zu der friedlichen Demo und Ausschreitungen ist auf der Homepage zu finden:

Mit freundlichen Grüßen aus dem Schatten eines bunten Zirkuszeltes im Rostocker Stadthafen

Peter Wahl
Werner Rätz
Sven Giegold
Sabine Leidig
Jutta Sundermann
Frauke Distelrath
für die anwesenden Attac-Aktiven

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Gewalt bei der Rostocker Demonstration: Ratsmitglied Ludwig beschuldigt Polizei und Regierung

hro001.jpgMdR Ludwig hat die Auseinandersetzungen auf dem Kundgebungsplatz selbst miterlebt und hält die erichterstattung vieler Medien bezüglich der Ausschreitungen und der Teilnehmerzahl für verzerrt. Er sieht die Demonstration als einen Erfolg, weil trotz der Repress ionen im Vorfeld 80.000 Menschen nach Rostock gekommen sind.
„Die Politik der G8 ist so verhasst, dass sie das Volk nur durch eine polizeiliche Abriegelung einer anzen Region fernhalten können. Es darf nicht vergessen werden: die Gewalt in dieser Welt geht von S taaten und Konzernen aus, die für ihre Macht- und Profitinteressen Kriege führen und Verhältnisse zementieren, die für Hunderte Millionen Armut und Elend bedeuten.“
Nach Ludwigs Auffassung ist die aggressive Stimmung durch eine monatelange Kampagne geschaffen worden. Die G8-Gegner wurden in die Nähe von Gewalttätern und Terroristen gerückt. Die Hausdurchsuchungen vor wenigen Wochen waren gesetzeswidrig und reine Schikane. Während der gesamten Kundgebung in Rostock knatterte ein Hubschrauber so dicht über den Menschen, dass man kaum die Reden hören oder sich unterhalten konnte.

Ludwig erlebte die Übergriffe der Polizei auf dem Kundgebungsplatz:
„Die Polizei ist gegen 15 Uhr auf den Platz gestürmt und hat die Demonstration angegriffen. Dagegen haben s ich viele Tausend Menschen gewehrt, teilweise militant. Die Leute haben sich nicht spalten lassen sondern gemeinsam den Rückzug der Einsatzkräfte durchgesetzt und die Demonstration verteidigt. Dafür hat sich die Polizei ab ca. 17 Uhr ‚gerächt‘ und die gesamte Kundgebung mit Wasserwerfern und Tränengas attackiert. Ich habe beobachtet, wie ohne jede Rücksicht Wasserwerfer auf Menschenmengen losgerast sind.“
Ludwig ist der Meinung, dass die Polizeiführung mit ihrem aggressivem Vorgehen die Gesundheit der Demonstrationsteilnehmer und der eingesetzten Beamten gefährdet hat. Letztere wurden „verheizt“, indem sie immer wieder in aussichtslose Situationen geschickt wurden.
„Es stellt sich die Frage, ob die politischen Verantwortlichen absichtlich die Frustration unter den Beamten schüren wollten, damit diese an den kommenden Tagen umso härter durchgreifen.“

Das Verhalten einiger Demons tranten hat nach Ludwigs Auffassung leider der Polizei und den Regierenden in die Hände gespielt:
„Einige Aktionen hatten mit berechtigter Gegenwehr nicht zu tun. Wer ein einzelnes Polizeifahrzeug attackiert, Autos in Brand setzt, Feuerwehrleute angreift oder andere Demonstranten durch Steinwürfe aus den hinteren Reihen gefährdet, handelt verantwortungslos und hilft – gewollt oder ungewollt – Polizei und Politikern dabei, die Proteste zu kriminalisieren, Menschen vom Protest abzuschrecken und die Rostocker Bevölkerung gegen die G8-Gegner aufzubringen.“
„Ich fühlte mich streckenweise an Genua 2001 erinnert, als Polizei-Provokateure und Neonazis die Randale anheizten und Vorwände lieferten, die gesamte Demonstration mit polizeilicher Gewalt zu überziehen, wie es die Berlusconi-Regierung von vorneherein geplant hatte.“
Ludwig unterstützt die geplanten Blockaden gegen den G8-Gipfel in den nächsten Tagen:
„Ich wünsche den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass sie es schaffen, effektive Blockaden durchzuführen und den Gipfel zu behindern und sich den polizeilichen Maßnahmen geschlossen und diszipliniert entgegenzustellen.“
Ludwig wird auf einer Veranstaltung der SAV (Sozialistische Alternative) am Dienstag, 12.6., zum 8-Gipfel und den Gegenaktionen sprechen. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr und findet im „Allerweltshaus“ statt (Körnerstr. 77-79, Ehrenfeld).

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Erste Zeitarbeits-Filiale Deutschlands in Agentur für Arbeit eröffnet / Trenkwalder Personaldienste eröffnet Geschäftsstelle in der Agentur für Arbeit Ludwigshafen

Ludwigshafen/München (ots) -„Trenkwalder Personaldienste eröffnete am Freitag eine Geschäftsstelle in der Agentur für Arbeit Ludwigshafen. Die bundesweit agierenden Personalspezialisten mit Hauptsitz in München beziehen damit als erste Zeitarbeitsfirma überhaupt über eine Zweigstelle in einer Arbeitsagentur. Die Büroeröffnung ist eine direkte Folge der Kooperationsvereinbarung, die die Bundesagentur für Arbeit (BA) am 25. April in Nürnberg mit Vertretern von 15 der größten deutschen Zeitarbeitsunternehmen unterschrieb.
Durch die engere Zusammenarbeit sollen die Potenziale der Zeitarbeit als eine der Branchen, in denen momentan die meisten Arbeitsplätze entstehen, genutzt werden,“ lässt die Firma in einer Pressemeldung verlauten.

Weiter wird dort der Trenkwalder Verwaltungsrat Goran Lalos zitiert, welcher die Bedeutung des Tages betonte: „Die Kooperationsvereinbarung von BA und den Zeitarbeitsfirmen markiert einen Meilenstein in der Arbeitsmarktpolitik und im Verhältnis beider Partner. Die teils kritische Betrachtungsweise der Branche gehört damit endgültig der Vergangenheit an […]“

Jürgen Becker, Leiter Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Ludwigshafen: „Trenkwalder und die Zeitarbeitsfirmen insgesamt sind für uns keine Konkurrenz, sondern Arbeitgeber mit sozialversicherungpflichtigen Beschäftigungsverhältnissen wie andere Unternehmen auch. Und für die Arbeitslosen ist die neue räumliche Nähe zweifelsohne ein Vorteil.“

Der bei der Stadt Ludwigshafen für den Bereich Arbeit zuständige Sozialdezernent Wolfgang van Vliet ergänzte, die Zeitarbeit habe in den vergangenen Jahren eine Änderung ihrer Wertschätzung erfahren. Sie sei eine Chance sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber. Auf die Anforderungen eines immer dynamischeren Arbeitsmarktes müsse reagiert und müssten flexible Lösungen angeboten werden. Zeitarbeit könnte hier eine Lösung sein.