Tricksen Täuschen Telekom

stern01.jpgHamburg (ots) – Die Deutsche Telekom hat in den vergangenen Monaten Zehntausende von Reklamationen unbearbeitet abgelegt, ohne die Kunden darüber zu informieren. Nach Recherchen des Hamburger Magazins stern handelten die Kundenbetreuer dabei auf Anweisung ihrer Vorgesetzten.    Verursacht wurde dieses Verhalten laut stern-Recherchen durch die Neuorganisation der Telekom und den Streik im Mai vorigen Jahres: Beides führte dazu, dass die Flut der Beschwerden immer größer wurde. Schließlich entschied man sich für den – wie es die Telekom nannte – „systembedingten Abschluss“: Allein in den acht nordwestdeutschen Betreuungszentren landeten mehrere zehntausend Reklamationen auf dem Telekom-Rechner in einem „toten Briefkasten“. Sie wurden zwar nicht gelöscht, aber auf Anordnung schlicht nicht bearbeitet. Viele Kunden, die sich mehrfach mit ihrem Anliegen gemeldet haben, warten bis heute auf eine Antwort.

    Nach Informationen des stern erhoben Mitarbeiter der Deutschen Telekom Kunden Service GmbH Nordwest auf einer Betriebsversammlung in Bielefeld, bei der es unter anderem um das Thema „Macht mogeln müssen krank?“ ging, schwere Vorwürfe gegenüber ihren Vorgesetzten. Um die vom Unternehmen geforderten Zielvorgaben zu erfüllen, fühlten sie sich zum Tricksen und Täuschen gezwungen.

    Der für den Kundenservice zuständige Telekom-Vorstand Thomas Berlemann räumte gegenüber dem stern ein, dass „während der Streikphase zur schnellen Bearbeitung der eiligen Themen das Prinzip ‘last in first out’ angewendet wurde“. Bei mehrfachen Kundenanfragen – vom selben Kunden zum selben Thema – wurde demnach immer nur die letzte Anfrage beantwortet. Eine Anweisung des Managements, Beschwerden wegzulegen, ohne sie zu beantworten, sei ihm aber nicht bekannt.

 Quelle: Stern Nr. 7 /07.02.2008

Damp Holding AG droht unbefristeter Streik

In der Tarifauseinandersetzung um höhere Löhne und Gehälter für die 6.000 Beschäftigten beim Klinikkonzern Damp Holding AG droht ein unbefristeter Streik. Darauf weist die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hin. Nach monatelangen Gesprächen stünden die Verhandlungen nunmehr unmittelbar vor dem Scheitern, erklärte ver.di-Verhandlungsführer Oliver Dilcher am Mittwoch.

Man habe mit sehr viel Geduld und Verantwortungsgefühl seit mehr als einem halben Jahr verhandelt, ohne dass der Arbeitgeber ein akzeptables Angebot vorgelegt habe. „Die Zeit der Appelle, Umfragen und Demonstrationen ist aus der Sicht der ver.di-Tarifkommission vorbei“, betonte Dilcher.

Zunächst würden die Beschäftigten der Damp Holding AG für Freitagmorgen zwischen 7.30 und 9.30 Uhr zu Warnstreiks an allen Standorten* aufgerufen. Lege der Arbeitgeber auch am Freitag kein einigungsfähiges Angebot vor, sei die Tarifkommission entschlossen, die Urabstimmung über einen Arbeitskampf bei der Damp Holding AG einzuleiten.

Dabei gelte eine hohe Zustimmung als sicher: Im laufenden Tarifkonflikt hatte ver.di in zwei Umfragen die Verhandlungsstände bei Damp zur Abstimmung gestellt. „Rund zweitausend Kollegen und Kolleginnen haben sich an den Umfragen beteiligt und die vorliegenden Angebote zu mehr als 95 Prozent als völlig unakzeptabel bewertet“, sagte Dilcher.

* Betroffen sind die Standorte Hanseklinikum Stralsund, Hanseklinikum Wismar, Reha-Ahrenshoop, Endo-Klinik Hamburg, Ostseeklinik Kiel, Reha-Klinik Damp, Therapie-Zentrum-Damp, Reha Klinik Damp, Reha Klinik Schönhagen, Fachklinik Schleswig sowie Martin-Luther-Krankenhaus Schleswig.

Grundsicherung gegen Kinderarmut

Zu Überlegungen der SPD, die steuerlichen Freibeträge für Kinder zu kürzen:

In den Genuss steuerlicher Absetzung kommt nur, wer genug Einkommen hat und deshalb auch entsprechend hohe Steuern zahlt. Damit werden Kinder aus einkommensschwachen Elternhäusern benachteiligt.
Es ist folglich richtig, darüber nachzudenken, wie die Lebensverhältnisse von Kindern nachhaltig verbessert werden können.
Immerhin leben heute bundesweit mehr als 2,5 Millionen Kinder in Armut. Das für sie verfügbare Einkommen liegt zwischen 207 und 276 € im Monat. Angesichts der prekären Lebensverhältnisse vieler Kinder in diesem Land ist es richtig, dass auch die SPD darüber nachdenkt, wie allen Kindern wenigstens ein kostenloses Mittagessen ermöglicht werden kann. Dies damit zu begründen, dass Eltern angesichts steigender Zahl von Kita-plätzen weniger Aufwand hätten, ist aufgrund der realen Betreuungssituation, insbesondere beim Angebot von Ganztagsplätzen, schlichtweg falsch. Wer solche Aussagen trifft, ist weit weg vom wirklichen Leben weg.
Die Linke. hat beispielsweise ein Konzept für eine bedarfsorientierte und individuelle Kindergrundsicherung entwickelt. Darin sollen alle bisherigen Sozialleistungen zusammengefasst und in eine Kindergrundsicherung umgewandelt werden. Neben einem einheitlichen Kindergeld von 250 €, das selbstverständlich beim Einkommen von Bedarfsgemeinschaften nach den Hartz IV-Gesetzen nicht anzurechnen ist, soll jedes Kind eine einkommensabhängige Grundsicherung erhalten. Danach sollen allen Kindern mindestens 420 € monatlich zur Verfügung stehen.

Um Kinderarmut zu beseitigen, ist gleichzeitig erforderlich, den Niedriglohnsektor abzubauen und einen gesetzlichen Mindestlohn
einzuführen, damit Eltern in der Lage sind, mit ihrem Arbeitseinkommen auch angemessen für ihre Kinder zu sorgen. Es ist höchste Zeit, für ein grundsätzliches Umsteuern. Die soziale Absicherung von Kindern ist ein Thema ersten Ranges.

ver.di fordert 6,5 Prozent bei T-Mobile

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) verlangt für die rund 6.000 betroffenen Beschäftigten der Telekom-Tochter T-Mobile 6,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Eine entsprechende Forderung sei dem Arbeitgeber übermittelt worden. „Wer den Aktionären eine um mehr als acht Prozent höhere Dividende zahlen will, hat auch genug Geld für die Beschäftigten„, sagte ver.di-Verhandlungsführer Ado Wilhelm. Die beabsichtigte Anhebung der Dividende auf 0,78 Euro je gewinnberechtigter Aktie gegenüber dem Wert für das Geschäftsjahr 2006 von 0,72 Euro je gewinnberechtigter Aktie würde einen Anstieg der Ausschüttungssumme von rund 3,1 Mrd. Euro auf dann rund 3,4 Mrd. Euro bedeuten.

Eine „kräftige Entgelterhöhung“ sei allein schon wegen der Preissteigerungsraten erforderlich. Zudem hätten die Beschäftigten von T-Mobile mit ihrer Arbeit maßgeblich zur Stabilität des gesamten Telekom-Konzerns beigetragen. Es sei daher an der Zeit, die Arbeitnehmer dafür zu belohnen.

Dem Unternehmen sei mit der Übermittlung der Tarifforderung zudem signalisiert worden, dass ver.di in den anstehenden Verhandlungen auch die Arbeitsplatzsicherheit und den dauerhaften Erhalt hochwertiger Stellen bei T-Mobile thematisieren werde, sagte Wilhelm weiter.

ver.di habe T-Mobile mehrere Verhandlungstermine vorgeschlagen und erwarte nun eine zügige Aufnahme der Gespräche.

Tarifabschluss bei Vattenfall: 3,9 Prozent mehr Lohn und Gehalt

Die Beschäftigten des Energieversorgers Vattenfall erhalten rückwirkend vom 1. Januar 2008 an 3,9 Prozent mehr Gehalt. Ein entsprechendes Angebot der Arbeitgeberseite hat die gemeinsame Tarifkommission der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der IG BCE am Dienstagmittag angenommen.

In der vergangenen Woche hatten die Beschäftigten von Vattenfall mit Warnstreiks die Arbeitgeberseite unter Druck gesetzt und eine deutliche Nachbesserung des ursprünglichen Angebots verlangt.

Die Laufzeit des Tarifvertrags beträgt zwölf Monate bis zum 31. Dezember 2008. Insgesamt profitieren 21.000 Beschäftigte von dem Abschluss.

Der Abschwung kommt an

Ende letzten Jahres verkündete Angela Merkel stolz im Bundestag: „Der Aufschwung kommt bei den Menschen an.“ Belegen konnte sie das nicht. Und gemerkt haben wir das auch nicht. Kein Wunder. Denn jetzt liegen die ersten Daten für die Einkommensentwicklung 2007 vor. Danach ist das Volkseinkommen um knapp 74 Milliarden Euro oder 4,2 Prozent gestiegen. Es gab also einiges mehr zu verteilen. Aber wie wurde es verteilt? Haben im Aufschwung jetzt endlich die Beschäftigten mal einen großen Brocken erhalten? Von wegen! Das Trauerspiel der letzten Jahre setzte sich fort. Wieder sind es Unternehmer und Reiche, die sich den größten Teil vom Kuchen genommen haben: Um 43 Milliarden Euro oder 7,2 Prozent stiegen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen. Die Beschäftigten erhielten gerade einmal 30 Milliarden oder magere 2,6 Prozent mehr. Folge: Die Lohnquote stürzte weiter ab. Ein Rückgang um fast acht Prozentpunkte seit dem Jahr 2000. Kräftige Lohnsteigerungen sind daher in den laufenden Tarifverhandlungen überfällig. Nur so kann die anhaltende Umverteilung zu den Reichen und Unternehmern gestoppt werden. Dann haben die Beschäftigten auch endlich mehr Geld in der Tasche, um der bereits wieder stotternden Wirtschaft Schub zu geben.

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