Tipps zum rückwirkenden Alg-I-Bezug

Auf mögliche Benachteiligungen für diejenigen, deren Anspruch auf Arbeitslosengeld I Anfang 2008 endet, macht der Verein Tacheles auf seiner Internetseite aufmerksam. Sie erwüchsen aus dem verzögerten Gesetzgebungsverfahren. Die Koalition hatte sich in letzter Minute darauf geeinigt, die Arbeitslosengeld-I-Bezugsdauer für über 50jährige Arbeitslose zu verlängern. Ein entsprechender Entwurf des »Siebten Gesetzes zur Änderung des SGB III und anderer Gesetze« wurde am 14. Dezember 2007 vom Kabinett gebilligt. Das Gesetz muß aber noch vom Bundestag beschlossen werden. Das ist frühestens Mitte Februar 2008 zu erwarten. Die Rechtsnorm könnte dann zum 1. März 2008 in Kraft treten, heißt es bei Tacheles.

Es werden die verschiedenen neuen Ansprüche für ältere Arbeitslose laut Gesetzentwurf aufgezählt: 15 Monate Arbeitslosengeld I ab 50 Jahre (bei einer Vorversicherungszeit von 30 Monaten innerhalb der letzten fünf Jahre); 18 Monate Alg I ab 55 Jahre (Vorversicherungszeit von 36 Monaten in letzten fünf Jahren) und schließlich 24 Monate AlgI ab 58 Jahre (Vorversicherungszeit von 48 Monaten in letzten fünf Jahren).

Nach dem Willen des Kabinetts soll das Gesetz nach Verabschiedung rückwirkend ab 1. Januar 2008 gelten. Die rückwirkende Gewährung der Versicherungsleistung Alg I wirft aber juristisch und praktisch viele Probleme auf. Die Betroffenen sollten auch selbst unbedingt Vorkehrungen treffen, so Tacheles.

Das betrifft erstens die persönliche Arbeitslosmeldung. So sollten alle, die in das beschriebene »Loch« der drei Monate fallen, sich entsprechend ihrer bisherigen Bewilligungsdauer wieder neu persönlich arbeitslos melden, rät Tacheles. Eine rückwirkende persönliche Arbeitslosmeldung sei im »Siebten SGB-III-Änderungsgesetz« nicht vorgesehen. Ohne eine solche persönliche Meldung sei auch eine rückwirkende Herstellung des Anspruchs, wie der Gesetzgeber ihn in Aussicht gestellt hat, nicht möglich.

Zweitens wird geraten, jetzt vor Auslaufen des bisherigen Alg-I-Anspruchs nach der alten Regelung einen Antrag auf verlängertes Alg I zu stellen. Die Agentur für Arbeit habe intern angewiesen, solche Anträge entgegenzunehmen.

Drittens schließlich erinnert Tacheles, daß für das dreimonatige »Übergangsloch« die gleichen Pflichten wie bisher im Alg-I-Bezug bestehen. Etwa bei der nötigen Abmeldung bei Abwesenheit.

Viertens wird auf überbrückendes Arbeitslosengeld II hingewiesen. Für viele vom dreimonatigen »Übergangsloch« Betroffene dürfte die Sicherstellung des Lebensunterhalts zum Problem werden. Alg II bekommen aber nur erwerbslose Hilfebedürftige, die ihre Existenz nicht aus Einkommen (auch des Ehe- oder Lebenspartners) und Vermögen oder aus Ansprüchen gegenüber Dritten bestreiten können (Paragraph 9 Absatz 1 Nr. 2 SGB II). Einige werden in diesem Sinne verwertbares Vermögen haben, z. B. eine kapitalbildende Lebensversicherung mit einem Rückkaufwert von mehr als 150 Euro pro Lebensjahr. Nach Auffassung von Tacheles würde aufgrund der in Aussicht gestellten rückwirkenden Alg-I-Ansprüche die Verwertung etwa einer solchen Lebensversicherung eine »besondere Härte« (Paragraph 12 Absatz 3 Nr. 6 SGB II) darstellen. Dies insbesondere, da die Träger des Alg II die Leistung durch die jeweilige Agentur für Arbeit zurückerstattet bekommen, wenn Alg-I-Ansprüche rückwirkend greifen.

Wenn denn Alg-II-Leistungen überbrückend bezogen werden können, dürfte es laut Tacheles auch nicht zulässig sein, das SGB-II-Forderungsinstrumentarium anzuwenden. Denn sogenannte Eingliederungsmaßnahmen sollten nur durchgeführt werden, wenn sie »erforderlich« sind. Dabei seien Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu beachten. Bei Überbrückern seien sie in der Regel nicht erforderlich und erst recht nicht wirtschaftlich, so Tacheles. Zudem seien die Anspruchsvoraussetzungen für Sofortangebote nach Paragraph 15a SGBII nicht erfüllt, da die überbrückenden SGB-II-Bezieher zuvor SGB-III-Leistungen erhalten hätten. Daraus folge, Ein-Euro-Jobs und Sofortangebote für Überbrücker seien unzulässig.

Betroffenen dürfen aus der verzögerten Gesetzgebung keine Nachteile erwachsen, fordert Tacheles. Der Verein und die Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Erwerbslosengruppen (KOS) bieten Hilfestellung gegen Zwangsverrentung und bei Problemen für ältere Arbeitslose.

Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst

  Cottbus (ots) – Schon erstaunlich, wie pfleglich die Kontrahenten wenige Tage vor Beginn der Tarifrunde im öffentlichen Dienst miteinander umgehen. Und das bei einer Forderung von acht Prozent mehr Lohn oder mindestens 200 Euro für die Beschäftigten von Bund und Kommunen.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) rechnet mit einem raschen Abschluss, Beamtenbundchef Peter Heesen wird nicht müde, bereits nach vertretbaren Kompromisslinien zu suchen – die acht Prozent auf zwei Jahre zu strecken, ist so eine. Offenbar ist das persönliche Verhältnis hier deutlich intakter als zwischen Bahnchef Mehdorn und dem obersten Lokführer Schell. Das ist wichtig, wenn es darum geht, den Deutschen einen Streik im öffentlichen Dienst und damit Müllberge oder Stillstand im Personennahverkehr zu ersparen.

Verdi-Chef Frank Bsirske, der Dritte im Bunde, ist der einzige, der eine härtere Rhetorik anschlägt. Kein Wunder, vertritt er doch die Mehrheit der Beschäftigten und im Vergleich zum Beamtenbund steht verdi für eine deutlich andere politische wie ideologische Ausrichtung.

Am Ende wird weniger herauskommen als gefordert, das ist klar.  Insgesamt gilt: Die Gewerksachafter haben die besseren Argumente. Schließlich haben Krankenschwestern, Müllmänner oder Lehrer durch Verzicht zur erheblichen Kostensenkung bei den öffentlichen Händen beigetragen. Das wird von der Politik ja allenthalben anerkannt – und sollte sich in Zeiten des Aufschwungs
nun auch auszahlen.

Linke Tolerierung in Hessen?

Hamburg (ots) – Dietmar Bartsch, Geschäftsführer der Linkspartei, schließt nach der Landtagswahl am 27. Januar in Hessen eine Tolerierung oder eine Koalition mit Regierungsbeteiligung nicht mehr aus. „Frau Ypsilanti und die Grünen, das wird auf keinen Fall was. Deswegen muss sich die Spitzenkandidatin der SPD am Wahlabend auch fragen lassen: Geht sie als Juniorpartner in eine Regierung mit Herrn Koch – wie will sie das politisch zu einander bringen – oder versucht sie eine eigene Regierungsbildung? Das wird überhaupt nur möglich sein, wenn wir in den hessischen Landtag kommen,“ so Bartsch am Dienstagmorgen im Interview mit stern.de, der Online-Ausgabe des Hamburger Magazins stern. Bartsch sieht keinen Linksruck bei der SPD, höchstens ein „Linksrückchen“ und zwar ein ganz vorsichtiges.

Wahlkampftribüne live im TV

„hart aber fair“ am Mittwoch, 9. Januar 2008, um 21.45 Uhr live aus Berlin

Das Thema:
Jung, brutal und nicht von hier – Was ist dran am Streit um
Ausländergewalt?

Die Gäste:
Roland Koch (CDU, Ministerpräsident des Landes Hessen)
Brigitte Zypries (SPD, Bundesjustizministerin)
Özcan Mutlu (bildungspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus Berlin)
Rolf Kaßauer (Kriminaloberkommissar und Landesvorsitzender Bund deutscher Kriminalbeamter in Berlin)
Hans Scholten (Leiter des Jugendhilfezentrums Raphaelshaus in Dormagen)

Roland Koch hat sein Wahlkampfthema – und das Land eine Grundsatzdebatte: Härte gegen Toleranz, Multikulti-Träumer gegen Polit-Rambos. Aber was ist die angemessene Antwort auf gewalttätige Jugendliche und wer denkt an die Opfer?

Interessierte können sich auch während der Sendung per Telefon und Fax an der Diskussion beteiligen und schon jetzt über die aktuelle Internet-Seite (www.hart-aber-fair.de) ihre Meinung, Fragen, Ängste
und Sorgen an die Redaktion übermitteln. „hart aber fair“ ist immer erreichbar unter Tel.: 0800/5678-678, Fax: 0800/5678-679, E-Mail: hart-aber-fair@wdr.de.

Industrielle Landwirtschaft treibt Klimawandel voran

Hamburg (ots) – Eine der größten globalen Quellen für klimaschädliche Treibhausgase ist die Landwirtschaft. Ein von Greenpeace heute veröffentlichter Report zeigt auf, dass sie bis zu einem Drittel der weltweiten Treibhausgase erzeugt – unter anderem durch die Überdüngung der Äcker mit Stickstoff.

Autor des Reports, der vor der Internationalen Grünen Woche in Berlin (18.-27. Januar) erscheint, ist der Wissenschaftler Pete Smith von der britischen Universität Aberdeen. Er verfasste bereits den Landwirtschaftsteil des 4. Berichtes des UN-Klimarates IPCC zum Zustand des Weltklimas.

Der Ausstoß von Klimakillern in der industriellen Landwirtschaft hat einen kritischen Punkt erreicht, es muss dringend gegengesteuert werden„, sagt Landwirtschaftsexperte Alexander Hissting von
Greenpeace. „Mit einfachen Mitteln kann die Landwirtschaft zu einem natürlichen Speicher von Treibhausgasen werden und so dem Klimawandel entgegenwirken. Die von hohem Energieeinsatz und Chemikalien abhängige industrielle Landwirtschaft darf nicht weiter staatlich unterstützt werden. Greenpeace fordert von Landwirtschaftsminister Horst Seehofer, eine Abgabe auf Kunstdünger und Pestizide einzuführen, um Projekte zur klimafreundlichen Umgestaltung der Landwirtschaft zu finanzieren.

Die Landwirtschaft erzeugt Methan, Lachgas und CO2 vor allem durch den übermäßigen Einsatz von Stickstoffdünger, Urwaldrodungen für Acker- und Weideland, die Herunterwirtschaftung von Böden und die intensive Tierhaltung. Weltweit belaufen sich die Emissionen auf 17 -32 Prozent des gesamten vom Menschen verursachten Ausstoßes von Treibhausgasen. Das entspricht aktuell 8,5 – 16,5 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr. Äquivalente bezeichnen eine gemeinsame Bewertung für Treibhausgase. Methan und Lachgas werden dabei entsprechend ihrer Klimawirksamkeit in Bezug zu CO2 gesetzt.

Die Überdüngung von Böden ist nach Berechnungen von Greenpeace der größte Verursacher von Treibhausgasemissionen in der landwirtschaftlichen Produktion. 2,1 Milliarden Tonnen CO2- Äquivalente gehen jedes Jahr auf das Konto der Stickstoffdüngemittel.
Die Überdüngung führt zu Lachgasemissionen, die fast 300 Mal so klimazerstörend sind wie CO2. Greenpeace nennt als Klimaschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft, den Kunstdünger-Einsatz zu verringern, brachliegende Böden zu vermeiden, den Humusanteil auf dem Acker zu erhöhen sowie weniger Fleisch zu erzeugen.

Publikationen zum Thema

08.01.2008PDF1.0 MBCool Farming: Climate Impacts of Agriculture and Mitigation Potential

08.01.2008PDF149 KBLandwirtschaft und Klima (deutsche Zusammenfassung)

Originaltext: Greenpeace e.V.
www.greenpeace.de

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Klimawandel hausgemacht

Was die Verbrennung von fossilen Energieträgern und hier insbesondere der Braunkohle für Folgen auf das Klima hat dürfte hinlänglich bekannt sein.
hier Infos:
Braunkohle – Gift fürs Klima
Braunkohle und Tagebau – verheizte Heimat, zerstörte Landschaft
Braunkohle und Klimaschutz Die Rheinische Braunkohle in Zeiten des Klimawandels

Köln (ots) – Die deutsche Braunkohlenindustrie hat ihre Produktion im abgelaufenen Jahr um über 2 Prozent auf mehr als 180 Millionen Tonnen (Mio. t) erhöht. Im Rheinland lag die Produktion bei fast 100 Mio. t (plus 3,7 Prozent), in der Lausitz bei nahezu 60 Mio. t (plus 2,6 Prozent) und in Helmstedt wurden mehr als 2 Mio. t Braunkohle gefördert. In Mitteldeutschland ging die Förderung aufgrund geringerer Kraftwerksverfügbarkeit leicht zurück und erreichte eine Höhe von 19 Mio. t. Rund 92 Prozent der deutschen Braunkohlenproduktion wurden zur Stromerzeugung eingesetzt.

Die Stromerzeugung aus Braunkohle stieg um rund 3 Prozent auf 156 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh). Da der Stromverbrauch in Deutschland 2007 praktisch stabil blieb, erhöhte sich der Anteil der Braunkohle an der gesamten Stromerzeugung auf ein knappes Viertel.

Mit rund 55 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten (Mio. t SKE) deckte die Braunkohle etwa 12 Prozent des gesamten inländischen Energiebedarfs. Sie ist damit weiterhin der mit Abstand wichtigste heimische Energieträger.

Weiter Infos gegen die Braunkohle gibt es über das Aktionsbündnis „Zukunft statt Braunkohle„.

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„Grundrechte gelten nicht schrankenlos“

Urteil: Weigerung der Vorlage von Kontoauszügen führt zu ALG II Kürzungen bzw. zur völligen Einstellungen der Sozialleistungen
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Das Bayrische Landessozialgericht (Bayrisches Landessozialgericht, Aktenzeichen: L 7 AS 190/07) entschied, dass eine Weigerung der Vorlage von Kontoauszügen, ein Übersicht der verfügbaren Konten sowie die Vorlage der aktuellen Steuererklärung bei den zuständigen Ämtern zu einer drastischen Kürzung der Arbeitslosengeld II Kürzungen führen kann. Das Landessozialgericht betonte, dass die Vorlage von Kontoauszügen dazu diene, eine Rechtmäßigkeit von Sozialleistungen festzustellen.

Der Kläger argumentierte, dass die Ämter mit dieser Forderung gegen den Schutz von Sozialdaten verstoßen würde. Dieses Argument wurde vom Bayrischen Landessozialgericht nicht anerkannt. Die Ämter hätten nicht „plausibel dargelegt“, dass die Prüfung der Daten erforderlich gewesen sei. Ein konkreter Verdacht auf Sozialleistungmissbrauch habe nicht bestanden. Doch das Gericht sah dies anders: „Grundrechte gelten nicht schrankenlos“. Das Anfordern der Daten sei gerechtfertigt gewesen, um zu überprüfen, ob der Sozialleistungsempfänger „sein Einkommen vor der Arbeitslosigkeit gemindert habe“, um eine Gewährung des Arbeitslosengeldes II herbei zu führen. Aus diesem Grund sei die Prüfung der Kontodaten erforderlich. Im SGB heißt es dazu: Nach § 67a Abs. 1 Satz 1 SGB X ist das Erheben von Sozialdaten durch die in § 35 SGB I genannten Stellen zulässig, wenn ihre Kenntnisse zur Erfüllung einer Aufgabe der erhebenden Stelle nach dem SGB erforderlich ist.

Die Agentur für Arbeit ist längst dazu übergegangen, auch bei Folgeanträgen die Vorlage von Kontoauszügen (in der Regel der letzten zwei Monate) zu verlangen. Siehe dazu auch: „Dringende Anfrage“ und „Die Keas fragen“ bzw. „Vorlage von Kontoauszügen„. Die Auffassung vieler Datenschutzbeauftragter, dass die Vorlage von Kontoauszügen nur bei erstmaligem Bezug von ALG II angemessen sei oder bei Bestehen eines Betrugsverdachtes, wird dabei oft ignoriert. Diese Auffassung als PDF.

100fachen Dank

Gestern (07.01.08) habe ich zum ersten Mal die für mich magische 100 (einhundert) an Zugriffen auf meinen Weblog erreicht.

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Der Monat Januar hat innerhalb einer Woche bereits 1/3 meiner durchschnittlichen Besucher der letzten 6 Monate geschafft.

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Dafür danke ich meinen Leserinnen und Lesern ganz herzlich.

Euer
Kafi von Cers