Der Jahreswechsel bietet allen möglichen Neunmalklugen, Vorsitzenden, Funktionären und Möchtegerns eine der seltenen Gelegenheiten über das vergangene und das zukünftige zu philosophieren und sich selbst dabei ins rechte Licht zu rücken.
Ein besonderes Privileg genießt dabei die Regierungschefin, der am Silvesterabend eine eigene TV-Sendung zur Prime Time zur Verfügung stand. Angela Merkel (CDU) nutzte die Zeit für fast schon schamlose Selbstbeweihräucherung. Deutschland habe unter ihrer Führung einen »guten Schritt nach vorne getan«, betonte Merkel unter Verweis auf mehr Erwerbstätige, weniger Staatsschulden und verstärkte Förderung von Familien. Kein Wort über wachsende Armut kam über ihre Lippen, dafür aber vollmundige Ankündigungen zur Schaffung besserer Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten und natürlich der Dank an »deutsche Soldaten, Polizisten und Aufbauhelfer« die »fern der Heimat helfen, Frieden und Stabilität zu sichern«.
Wolfgang Thierse (SPD) ist zwar nicht mehr Bundestagspräsident, sondern nur noch Vize, scheint aber ohne triefige Neujahrsansprachen nicht mehr leben zu können. Es gebe eine »beträchtliche Minderheit der Deutschen, denen es nicht gutgeht«, etwa Arbeitslose, Hartz-IV-Empfänger und viele Rentner, barmte der Poltiker, der in den vergangenenen Jahren allen sozialen Grausamkeiten im Bundestag selbstverständlich zugestimmt hat.





















