Arterielle Hypertonie – Bluthochdruck

Die Arterielle Hypertonie, oft verkürzt auch Hypertonie, Hypertonus oder Hypertension oder im täglichen Sprachgebrauch Bluthochdruck genannt, ist ein Krankheitsbild, bei dem der Blutdruck chronisch erhöht ist. Folgeschäden wie die koronare Herzkrankheit und Schlaganfall stellen eine Haupttodesursache in den Industrieländern dar. Altersabhängig sind 10-30 % der Bevölkerung davon betroffen.

Nach WHO-Kriterien gilt ein systolischer Blutdruck höher als 120 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck höher als 80 mmHg als grenzwertig, ein systolischer Blutdruck höher als 140 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck größer als 90 mmHg definiert eine Hypertonie.

primäre (essentielle) Hypertonie
90-95 % der Patienten müssen als primäre oder essentielle Hypertoniker angesehen und langdauernd oder lebenslang mit blutdrucksenkenden Maßnahmen behandelt werden. Die Ursachen der Hypertonie sind bei diesen Patienten multifaktoriell und weiterhin nicht abschließend geklärt. Daher ist die primäre Hypertonie auch eine Ausschlussdiagnose und darf erst gestellt werden, wenn andere Ursachen sicher ausgeschlossen werden können.

Symptome
Eine Hypertonie verläuft meist ohne Symptome oder verursacht bei mäßig erhöhten Blutdruckwerten oft nur uncharakteristische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Nasenbluten (Epistaxis) oder Abgeschlagenheit. Bei stark erhöhten Blutdruck können Luftnot (Dyspnoe) bei Belastung, Angina pectoris, Übelkeit und Sehstörungen auftreten.
Wird die Hypertonie nicht durch ein Kontrolle des Blutdrucks entdeckt, macht sie sich häufig erst durch ihre Spätschäden bemerkbar.

Weitere Organschäden
Der Bluthochdruck kann auch zu Veränderungen der Netzhautgefäße des Auges führen, so dass ein Fundus hypertonicus oder bei einer Bluhochdruckkrise auch eine seltene hypertensive Retinopathie auftreten kann.
Ebenfalls wird die Niere durch anhaltenden hohen Blutdruck geschädigt und es kommt zur Einschränkung der Nierenfunktion.

Hartz IV-Erhöhung ist ungerecht

FDP-Chef Guido Westerwelle hat davor gewarnt, die Sozialleistungen einseitig zu erhöhen. „Ich halte es für fair und für richtig, dass die Sozialleistungen sich an der Rentenentwicklung orientieren“, sagte er heute (Dienstag) in Emden im N24-Sommerinterview und trat damit Überlegungen zur Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze entgegen.
Wenn man die Sozialleistungen abkoppeln wolle, würde das zu einem „sehr ungerechten Ergebnis“ führen, sagte Westerwelle weiter. Dann würden die Sozialleistungen stärker als die Renten und normale Arbeitseinkommen steigen. „Jeder ist groß im Spendieren und Verteilen. Man macht sich sehr beliebt damit, in dem man verspricht: ‘und noch ein paar Hundert Euro mehr’“, wies Westerwelle entsprechende Forderungen zurück. „Unterm Strich“ müsse das Geld erarbeitet werden. „Und das sind die, die morgens aufstehen, ihre Kinder zur Schule bringen, die abends Überstunden machen. Und die sind jetzt erst einmal mit einer Entlastungsrunde dran“, betonte Westerwelle und fügte hinzu: „Denn die ziehen den Karren, die schultern das alles, was das Leben in Deutschland so lebenswert macht und denen kann man nicht immer neue Lasten aufbürden.“

Ob Westerwelle damit gemeint hat, dass er nun auch für Mindestlöhne ist, damit all die Menschen, die trotz Vollzeitstelle auf ergänzendes ALG II angewiesen sind, eben darauf nicht mehr angewiesen sind, bleibt mehr als fraglich. [Anmerkung von cers]

Quelle:
Zitate aus dem N24-Sommerinterview, das N24-Chefredakteur Peter Limbourg heute mit Guido Westerwelle geführt hat.
Heute (Dienstag, 14. August 2007) um 18:15 Uhr auf N24
Weitere Ausstrahlung: Morgen, Mittwoch, 15. August 2007, um 13:15 Uhr auf N24

Wider den Hartz-IV-Zynismus + Heuchler des Tages

ich gebe hier einen Kommentar von Peter Grottian aus der „junge Welt“ vom 15.08.2007 wieder, der mir schon sehr aus dem Herzen spricht. Der Autor ist emeritierter Hochschullehrer der FU Berlin und engagiert im Aktionsbündnis Sozialproteste und bei ATTAC.

Selten wurde der Selbstverblödungs- und Arroganzprozeß großkoalitionärer Politik so dramatisch unter Beweis gestellt wie in der derzeitigen Erhöhungsdebatte zu Hartz IV. Scheinheilig wird eine Debatte von Dieter Althaus (CDU) vom Zaun gebrochen, der sich fälschlicherweise mit einem Grundeinkommen auf Hartz-IV-Niveau schmückt, um anschließend eine Instrumentalisierung von Franz Müntefering (SPD) zu erleben, der zu recht einen vernünftigen Mindestlohn durchsetzen will, allerdings auf Kosten der Hartz-IV-Empfänger.

Nein, solange SPD und CDU nicht bereit sind zuzugeben, daß von 347 Euro kein Mensch leben kann, ganz zu schweigen von Kindern, solange Zwangsumzüge nicht eingestellt werden, solange SPD und CDU die Betroffenen mit bürokratischen Kontrollen ängstigen und zurichten, werden die 7,4 Millionen von Hartz IV Betroffenen Arbeitsmarkt-, Sozial- und Armutspolitik nicht für sich wahrnehmen. Die große Koalition hat in ihrer Arroganz sehr bewußt nicht wahrgenommen, daß weder der Aufschwung noch die sinkenden Arbeitslosenzahlen die Armut wirklich gelindert haben. Dieses Wahrnehmungsdefizit und der mangelnde Mut zu alternativen Konzeptionen ist das unhaltbare Dilemma der großkoalitionären Einheitspartei. Solange führende Sozialdemokraten es nicht zu sagen wagen, daß Wachstum allein nicht arbeitsmarktpolitische und sozialpolitische Probleme löst und Menschen ohne Erwerbsarbeit sozial-menschenrechtlich leben sollen, wird die SPD möglicherweise eher den Fusionsprozeß mit der CDU beantragen als ihre sozialdemokratische Identität zurückgewinnen. Solange die betroffenen Menschen das fast sichere Gefühl haben, daß nach dem Tritt – derb ausgedrückt – in den Arsch der Tritt in den Sack folgt, wird es keine sozialpolitische Entspannung geben. Die SPD könnte gut von ihren norwegischen Freunden lernen. Die sind durch Druck der norwegischen Linkspartei und der außerparlamentarischen Bewegungen zu einem identitätsstiftenden Lernprozeß gezwungen worden.

Die außerparlamentarischen Bewegungen werden im Herbst Himmel und Hölle in Bewegung setzen. Sie wollen mit den Betroffenen und in Kooperation mit Linkspartei, Gewerkschaften, Kinderschutz-Initiativen, Obdachlosenorganisationen und vielen anderen am 29. Oktober dezentrale Massenproteste organisieren. Dabei stehen neben der sofortigen Erhöhung der ALG-II-Sätze auf 500 Euro ein lebensfähiger Mindestlohn von zehn Euro pro Stunde, eine solidarische Arbeitsumverteilung in den anstehenden Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst und die Einführung eines Grundeinkommens auf der Tagesordnung. Die Aktionen werden sich auf die Repräsentanz der Unmenschlichkeitspolitik in den Parteizentralen der CDU und SPD konzentrieren.

Außerdem aus „junge Welt“ 14.08.07 einen Artikel zu Kurt Beck

Heuchler des Tages: Kurt Beck
SPD-Chef Kurt Beck hat ein Problem. Seit Monaten hängt seine Partei im Umfragetief. Um sich zumindest eine winzige Chance darauf zu erhalten, Kanzlerin Angela Merkel bei der nächsten Wahl beerben zu können, spielt man jetzt soziale Opposition. Als Partei, die auf jahrelange unsoziale Regierungspolitik zurückblickt, ist das indes gar nicht so einfach. Da muß sich der gewiefte Politiker Beck schon einiges einfallen lassen. So beim Thema Hartz IV. Ignorieren kann man die durch die deutlich steigenden Lebensmittelpreise hervorgerufene Debatte über eine Anhebung des mickrigen Regelsatzes von 347 Euro nicht. Also verknüpfen Beck und sein Compagnon Franz Müntefering diese Forderung einfach mit der nach Einführung eines Mindestlohns – mit dem Wissen, daß der Koalitionspartner das ohnehin nicht zuläßt.

Die vom Sommerreisenden Beck am Montag in Hamburg hervorgezauberte Begründung: Diejenigen, die arbeiten, müßten schließlich mehr in der Tasche behalten als Empfänger von Sozialleistungen. Dieses als »Lohnabstandsgebot« bezeichnete Argument der Neoliberalen dient sonst üblicherweise dazu, niedrig verdienenden Lohnabhängigen ein Interesse an der Senkung von Sozialleistungen zu suggerieren. Daß Beck diesen Spieß endlich einmal umdrehen will, ist nicht zu vermuten. Viel eher dürfte die Blockade des gesetzlichen Mindestlohns durch die Union als Begründung für Untätigkeit bei Hartz IV herhalten.

Dabei wäre es – würden Beck und seine Truppe ihre Sozial­rhetorik ernst meinen – so einfach. Die Grünen haben sich sowohl für gesetzliche Mindestlöhne als auch für die Anhebung des ALG II ausgesprochen. Die Linke tut das sowieso. Die parlamentarische Mehrheit wäre also für beides vorhanden. Daß die SPD nicht bereit ist, diese zu nutzen, beweist erneut ihre Heuchelei.(dab)